Der Kanton Solothurn geht das grosse Thema nun ganz praktisch und pionierhaft an. Einerseits werden zehn Landwirtschaftsbetriebe als Living Labs beim Testen neuer, ressourcenschonender Anbaumethoden beratend begleitet. Gleichzeitig wird eine Gruppe von Konsumentinnen und Konsumenten während drei Jahren gezielt sensibilisiert und deren Lebensmittelkonsum und Food Waste jeweils während zwei Wochen pro Jahr erfasst. Das Forschungsinstitut Agroscope begleitet beide Schienen wissenschaftlich.
Aus der Bubble herauskommen
Im vergangenen Juni haben rund 70 Personen während einer Woche in einer von der ETH Lausanne entwickelten App alles fotografiert, was sie gegessen und getrunken haben und Ende Woche angegeben, welche Lebensmittel im Abfall gelandet waren. Die ersten Resultate zeigen, dass die bis anhin Mitmachenden bereits überdurchschnittlich gut Bescheid wissen und Vieles bereits umsetzen. «Es ist wenig überraschend, dass es deutlich einfacher ist, Menschen zum Mitmachen zu bewegen, die sich sowieso schon für das Thema interessieren, als diejenigen zu motivieren, welche sich bislang kaum mit dem Thema auseinandergesetzt haben», sagt Projektleiterin Salome Garo vom Institut für Agrarökologie. «Um Daten darüber zu erhalten, wie wirksam Sensibilisierungsmassnahmen sind, und damit diese Erkenntnisse in künftige Sensibilisierungsprojekte einfliessen können, ist es jedoch wichtig, aus der «Bubble» herauszukommen und verschiedene Gruppen anzusprechen.» Deshalb werden von Mitte bis Ende Oktober weitere Einstiegswochen stattfinden, zu der sich Interessierte jetzt anmelden können. Insgesamt 150 Mitmachende aus dem Kanton Solothurn und der näheren Umgebung sollen es bis im Oktober sein.
Mitmachen lohnt sich
Pro Jahr sind jeweils 5-8 Anlässe wie Hofbesuche oder Kochworkshops geplant, an denen die Angemeldeten kostenlos teilnehmen können. Die ersten beiden stehen unmittelbar bevor: Am Sonntag, 16. August lädt der Berggasthof Bremgarten im Naturpark Thal zum Brunch und Austausch ein und am Freitag, 21. August liest die Journalistin Nicole Egloff auf dem Ettershof in Selzach aus ihrem Buch "Das Radiesli stimmt mich zuversichtlich – Zwölf Bauernhöfe denken Landwirtschaft neu".
Daneben setzen sich die Teilnehmenden regelmässig mit ihrer Ernährung auseinander und bekommen zweimal jährlich eine Auswertung, in der sie beispielsweise erfahren, inwiefern ihr Konsum von Früchten und Gemüsen von der Schweizer Ernährungsempfehlung abweicht, oder im Wert von wieviel Franken sie Lebensmittel wegwerfen. Die Teilnahme an diesen Erhebungen wird jährlich mit 50 Franken vergütet, wobei sich der Betrag mit jedem weiteren Teilnahmejahr erhöht. Nicht zuletzt werden in Webinaren Themen in Zusammenhang mit Ernährung und Food Waste vertieft und saisonale Rezeptideen flattern regelmässig ins Postfach. Inwiefern das Gelernte in den Alltag einfliesst und im besten Fall zum eigenen Wohlbefinden beiträgt, entscheiden die Teilnehmenden selbst.
"Im Zentrum steht das gemeinsame Lernen, der Austausch und der bewusste Genuss, nicht der Verzicht", versichert Garo. "Die Teilnehmenden können sich zudem freuen, sich zu Pionieren zählen zu können, die im Dienste der Wissenschaft sich selbst Gutes tun."
Weitere Infos und Anmeldung unter www.taste-the-future.ch
Die kommenden Anlässe
Agrarökologie-Brunch auf dem Berggasthof Bremgarten, Balsthal, So, 16. August, 9.30 Uhr
Mutterkühe, Legehennen, Ziegen und sogar Damhirsche bevölkern den Berggasthof der Gebrüder Birrer. Beim Brunch wird nicht nur fein gegessen, sondern auch der Hof kennengelernt und sich mit der Projektleitung und anderen Teilnehmenden ausgetauscht.
Preis Erwachsene: CHF 36.-
Kinder je nach Alter zwischen CHF 8.- und 28.-
Anmeldung bis 9.8. an info(at)bergwirtschaft-bremgarten.ch oder Tel. 062 391 32 78
Lesung auf dem Ettershof, Selzach, Fr, 21. August, 18.30 Uhr
Im Buch "Das Radiesli stimmt mich zuversichtlich" porträtiert die Journalistin Nicole Egloff zwölf Bauernhöfe, die beweisen, dass Landwirtschaft auch umweltfreundlich und sozialverträglich funktionieren kann. Sie erzählt von ihren Erlebnissen bei der Recherche und liest aus dem Buch. Anschliessend berichtet Niklaus Müller, Gemüsegärtner und Mitgründer des regionalen Biogemüse-Abos von seiner Vision für die Ernährungszukunft.
Ausgleich: Kollekte
Anmeldung bis 17.8. an info(at)ettershof.ch oder Tel. 079 260 15 34
Beide Höfe gehören zu den 10 Pilothöfen, die als Living Lab Teil des Projektes «Agrarökologie Schweiz» sind.
Beide Anlässe sind für das breite Publikum offen. Projektteilnehmende profitieren von kostenlosem Eintritt.
Weiterführende Informationen
Plattform Taste the Future: www.taste-the-future.ch
Projektwebseite: www.agro-eco.ch/de
Kontakt
Salome Garo
Projektleiterin Taste the Future
Tel. 062 511 47 39
E-Mail: salome.garo(at)agroecology.science
Janine Rüst
Projektleiterin Agrarökologie Schweiz
Tel. 062 511 49 47
E-Mail: janine.ruest(at)agroecology.science
Institut für Agrarökologie, Vordere Vorstadt 29, 5000 Aarau
Über das Projekt
Taste the Future wird als Teilprojekt des Ressourcenprojekts «Agrarökologie Schweiz» vom Institut für Agrarökologie koordiniert und gemeinsam mit Agridea, dem Kanton Solothurn, dem Solothurner Bauernverband sowie dem Schweizerischen Konsumentenforum umgesetzt und von Agroscope wissenschaftlich begleitet. Finanziert wird es durch das BLW, den Kanton Solothurn und Stiftungen.
